Tatort: “Verschleppt”
Kathinka
Überall wird der Saarbrücker Tatort, der heute Abend im Fernsehen lief, über alle Maßen gelobt. Verstörende Bilder, düster, spannend, gut, höchste Einschaltquoten.
In der Tat war die Geschichte und vor allem die Auflösung hervorragend.
Und angenehmerweise wurde diesmal das Privatleben der Ermittler nicht in den Vordergrund gerückt und die Geschichte ständig dafür unterbrochen.
Trotzdem gab es ein paar Sachen, die mir sauer aufgestoßen sind. Dass sie einige Szenen permanent wiederholten, um vielleicht Spannung oder Bedrohung zu erzeugen – bei mir erzeugte das schnell eher Langweile und Genervtheit -, war nicht toll, aber damit kann ich umgehen.
Was ich aber so gar nicht mag, ist, wenn im Tatort Fehlverhalten von Polizisten ohne Konsequenzen gezeigt wird. Wenn Polizisten als schlechtes Beispiel Schule machen und dieses Verhalten als normal oder gar richtig hingestellt wird.
Gestern stieß mir das Verhalten der Kommissare gegenüber ihren Verdächtigen sehr sauer auf. Es kann einfach nicht angehen, dass ein Polizist einen Verdächtigen schlägt, egal, was er gemacht haben soll. Das geht gar nicht. Die Polizisten sind die Guten, sie müssen frei von Vorurteilen agieren und dürfen nicht mit Gewalt beginnen. Aber auch im Tatort drehen irgendwie alle ab, wenn es plötzlich um das heikle Thema Kindesmißbrauch geht. Und plötzlich ist es in Ordnung, wenn jemand zusammengeschlagen wird, weil er in der Vergangenheit sich falsch Kindern gegenüber verhalten hat und vielleicht etwas mit dem Fall zu tun hat.
Als nächstes kam der Einbruch in einer Garage, für den der Bolzenschneider schon griffbereit im Kofferraum lag. Mir kann keiner erzählen, dass ein Durchsuchungsbefehl an der Stelle besonders lange gedauert hätte. Aber dann wären die beiden Ermittler ja mal wieder nicht alleine zur Spannungssteigerung unterwegs gewesen.
Aber der Hang zu Gesetzesübertretungen bei Gesetzeshütern scheint sich in letzter Zeit beim Tatort durchzusetzen. So erfrischend Frau Brandt neben Klaus Borowski im Kieler Tatort agiert, so sehr sträuben sich mir die Haare, wenn sie jede Form von Datenschutz beiseite schiebt und in Computer einbricht, wann immer sie es will.
Sorry, nein. Nichts gegen solche Geschichten, aber die Akteure dürfen dann keine Polizisten im biederen Tatort sein. Irgendwo sehe ich in einer solchen Serie im öffentlich rechtlichen Fernsehen auch eine gewisse Form der Verantwortung, nämlich in der Vorbildfunkion. Wieviele Menschen schauen diese Serie wöchentlich und reagieren vielleicht irgendwann mal so, wie es einem dort immer vorgespielt wird? Dann was die Polizisten dürfen und tun, kann ja nicht falsch sein.
Diese schlechte Vorbind gibt es auch beim Auffinden von “frischen” Leichen immer wieder. Wenn ein Kommissar auf eine Leiche stößt, guckt er immer sorgenvoll, prüft vielleicht nochmal den Puls und damit ist das Thema für ihn beendet. Der ist ja tot. Ja hallo? Was ist mit dem Notarzt? Erste-Hilfe-Maßnahmen? Reanimierung? Wer weiß, vielleicht hätte der Tatort die eine oder andere Leiche weniger, wenn Lena Odenthal Mund-zu-Mund-Beatmung machen oder Maria Furtwängler die Herzdruckmassage beherrschen würde.
Was ist denn das für eine Botschaft, die das Fernsehen da aussendet? Da liegt jemand rum – lass ihn liegen.
*facepalm*
Oder sind meine Ansprüche zu hoch? Sollte es mir völlig egal sein, was die Figuren auf der Leinwand tun, wie es bei amerikanischen Spielfilmen ja auch der Fall ist? Ich weiß es nicht, aber mich würde schon freuen, wenn zumindest die Botschaft der Ersten Hilfe korrekt verbreitet werden würde. Da kennen sich einfach viel zu viele nicht aus.
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