21. September 2009, 07:56 Uhr von
Mein Mann zeigte mir heute morgen zwei Artikel, einmal ein Feuilleton-Artikel der FAZ und ein dazu geschriebener Artikel vom Blogger Jens Scholz. Und so habe ich angefangen darüber nachzudenken, ob ich auch ein Nerd bin.
Mit 16 war ich wohl noch keiner, denn auch wenn ich Jeans und T-Shirt trug (80er Jahre, natürlich trug ich Jeans und T-Shirt), hat mich durchaus interessiert, ob ich gut aussehe. Die Marke war mir tatsächlich egal (ob das erste Anzeichen waren?), aber cool wollte ich schon sein. Ist mir nicht so wirklich gelungen – aber es war ok.
Mein Vater hat schon immer versucht, mir Computer nahezubringen, das erste mal habe ich mit ca. 10 Jahren drangesessen und gespielt. An einem selbstgebauten Rechner (nicht von mir, von meinem Vater) mit 6502-Prozessor und Kassettenrekorder als Speichermedium. All die Jahre meiner Teenagerzeit habe ich den Rechner immer wieder mal zum Spielen verwendet, am Ende auch häufiger, als die Spiele besser wurden (Larry – yeah!), aber meine Liedertexte z.B. tippte ich lieber mit der Schreibmaschine, weil es alleine so lange dauerte, den Computer zu starten.
Nach dem Abitur habe ich im Nebenfach Informatik studiert. Aber nicht, weil ich Computer so toll fand, sondern weil eigentlich nur zwei Nebenfächer in Frage kamen und Informatik im ersten Semester eine Vorlesung weniger hatte.
Das ganze Studium habe ich erfolgreich geschafft, nicht Programmieren zu lernen (also, nicht wirklich, nur Rudimente) und den eigenen erst DOS-, später Windows-PC überwiegend zum Spielen zu nutzen.
Allerdings habe ich da schon 0-Modem-Kabel im Studentenwohnheim vom 2. Stock des Nachbarhauses über den Parkplatz weg in mein Zimmer im 2. Stock gezogen, um gegen Detlev Populus zu spielen.
Nach dem Studium wurde mir klar, dass ich zukünftig wohl doch Programmieren muss, mein erster Arbeitgeber brauchte es mir dankenswerter Weise bei, und ich glaube, ich mache es nicht schlecht. Und Spaß macht es mir auch. So arbeite ich jetzt seit über 15 Jahren als Programmierer oder Datenbankadministrator und habe somit das Nebenfach zum Hauptfach gemacht.
Dazu kam Mitte der 90er Email dazu. Email war toll, kostenlos und schnell. Lange Telefonate mit meinen Eltern oder Freunden von früher konnte ich mir nicht oft leisten, aber Email ging immer.
Dann entdeckte ich Ende der 90er das Usenet. Ein unzensiertes, unkontrolliertes, völlig freies Diskussionsforum, nach Themen sortiert. Irre. Ich hatte das Netz endgültig für mich entdeckt.
Computerspiele habe ich weiterhin regelmäßig gespielt, wie schon als Kind.
Tja. Bin ich ein Nerd? Wenn ich mir Jens Definition durchlesen, muss ich diese Frage heute wohl klar mit ja beantworten. Aber keine Ahnung, wann ich es wurde, das war ein schleichender Prozess.
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